April 2008
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde
Programm zur Langen Nacht der Wissenschaften am 24.4. 2008 19 bis 22 Uhr
1. Station / Erdgeschoss des Hauptgebäudes
Fast wie im Krimi: Es wird erläutert, mit welchen Methoden Meeresforscher herausfinden können, wer wen gefressen hat, wer Düngemittel einleitet oder ob die Herkunftsbezeichnung auf der Dose Dorschleber auch wirklich stimmt. In allen drei Fällen ist es die Methode der stabilen Isotope, die Licht ins Dunkel bringen soll und die übrigens auch wirklich bei kriminaltechnischen Untersuchungen immer häufiger zu Rate gezogen wird. Dr. Barbara Deutsch, Dr. Claudia Fellerhoff, Frederike Korth, Iris Liskow, Dr. Maren Voß und Nicola Wannicke erläutern die Methode anhand von Postern, aber auch an ganz praktischen Beispielen: Testpersonen, die bereit sind, eine Fingernagelprobe abzugeben, erhalten nach einer Stunde "ihr Isotopenprofil". Es gibt Aufschluss über die Ernährungsweise der Testperson.
2. Station / Seminarraum 227 im Hauptgebäude
Bakterien in der Ostsee - Freund oder Feind? (Achtung! Feste Anfangszeiten!)
Bakterien im Ostseewasser sind oft das Ende ungetrübter Badefreuden. Ob Blaualge oder Vibrio - in dem Meer vor unserer Haustür leben nicht nur harmlose Organismen. Um dieses Gefahrenpotenzial aber richtig einschätzen zu können, sollte man die Bakterien der Ostsee gut kennen. Das ist nicht einfach, wenn das Untersuchungsobjekt mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist. Dr. Matthias Labrenz wird in seinem 15 minütigen Vortrag die "üblichen Verdächtigen" der Ostsee kurz vorstellen und erläutern, wie sie an die Besonderheiten der Ostsee angepasst sind. Er zeigt, wie man mit Hilfe einer Winogradsky-Säule und etwas Zeit einen mikrobiellen Mini-Kosmos produzieren kann, in dem wie in einem Teich die bakteriellen Prozesse der allgegenwärtigen Bakterien sichtbar gemacht werden können.
Der Vortrag wird dreimal gehalten. Die jeweiligen Anfangszeiten sind: 1) 19:15 Uhr;
2) 20:15; 3) 21:15
Von der Probennahme bis zum genetischen Fingerabdruck: Vor dem Vortragsraum stellen Heike Brockmöller, Christian Stolle, Sabine Glaubitz und Jana Grote molekularbiologische Methoden vor (Poster- und Gerätepräsentation).
3. Station / Großer Vortragssaal im Hauptgebäude
Wie kommt das Salz in die Ostsee? Wie gelangt Sauerstoff in die Tiefsee? (Achtung! Feste Anfangszeiten!)
Die Physikalische Ozeanographen Jan Donath, Dr. Rob Hetland, Peter Holtermann, Eefke van der Lee, Dr. Torsten Seifert, Dr. Joanna Waniek und Gunda Wieczorek demonstrieren, wie die so genannte "thermohaline Zirkulation" zustande kommt. Wie auf einem gigantischen Förderband durchströmen die Wassermassen die Ozeane. Auf ihrem Weg nach Norden kühlen sie sich ab - die thermohaline Zirkulation setzt ein und führt das sauerstoffhaltige Oberflächenwasser bis in die Tiefsee. Mit Hilfe von unterschiedlich warmem und unterschiedlich salzigem Wasser werden die Ozeanographen dieses Phänomen vorführen. In einem zweiten Experiment veranschaulicht die Gruppe, was beim Zusammenfließen des salzigen Nordseewassers mit dem brackigen Ostseewasser passiert. Die jeweils 30 Minuten dauernden Experimente werden nach einander durchgeführt. Die jeweiligen Anfangszeiten sind:
19:15 - 19:45 Thermohaline Zirkulation
20:00 - 20:30 Salzwassereinbrüche
20:45 - 21:15 Thermohaline Zirkulation
21:30 - 22:00 Salzwassereinbrüche
4. Station / 2. Etage des Hauptgebäudes - Praktikumsraum
Können Quallen fühlen? Was wächst im Hafenbecken? Wie schnell ist ein Wasserfloh?
Weil die Ostsee ein Brackwassermeer ist, in dessen stark wechselnden Umweltbedingungen für viele Meeresbewohner das Überleben schwierig ist, gibt es hier weniger Arten als zum Beispiel in der Nordsee. Trotzdem hat die Ostsee weit mehr als nur Miesmuscheln und Ohrenquallen zu bieten. Unter Mikroskopen und Binokularen können Sie die biologische Vielfalt entdecken. Auch die allgegenwärtige Ohrenqualle wird dabei sein. Wir bieten aber eine vollständig andere Sicht auf diese eigentümlichen Tiere: Was am Strand wie ein Häufchen Glibber aussieht, entfaltet im Quallenaquarium seine volle Schönheit. An der Partikelkamera wird gemessen, wie schnell abgestorbenes Plankton absinkt. Diese Information braucht man eigentlich für Bilanzrechnungen, aber natürlich kann man auch mal messen, wie schnell Wasserfloh und Co. durch die Wassersäule flitzen. Sofern es uns gelingt, am 24. 4. einige Exemplare der neu in die Ostsee eingewanderten Rippenqualle Mnemiopsis leidyi vor Warnemünde zu finden, können wir Ihnen auch diesen neuen Bewohner der Ostsee vorstellen. Die Präsentationen werden von Dr. Lutz Postel, Michael Glockzin und Ines
Glockzin durchgeführt.
5. Station / Erdgeschoss des Erweiterungsbaues
Was uns die Meeresablagerungen erzählen - eine kleine Geschichte der Ostsee.
Ständig rieseln abgestorbene organische Substanz und mineralische Körner auf den Boden der Ostsee. Über die Jahrtausende hinweg bilden sich so meterdicke Schichten. Mit langen Stechrohren lässt sich eine solche Abfolge beproben und ans Tageslicht bringen. Die Meeresgeologen Dr. Thomas Leipe und Dr. Matthias Moros zeigen, was man anhand dieser Kerne über die Geschichte der Ostsee erfährt. Gleichzeitig erläutern sie im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus einige Geräte, mit denen Sedimentkerne vermessen werden, um noch mehr Informationen aus dem Logbuch der Ostsee herauszuholen.
6. Station / Foyer des Erweiterungsbaus - Posterpräsentationen
a) Johannes Ruickoldt: Wie plant man eine Forschungsreise? Kann jeder jederzeit überall auf den Meeren forschen?
b) Siegfried Krüger: Das autonome Meeresmessnetz MARNET
7. Station / Foyer des Erweiterungsbaus
Die Bibliothek des IOW, die größte meereskundliche Bibliothek Mecklenburg-Vorpommerns
8. Station / Erweiterungsbau, 3. Etage Spurenanalytik
„Ein heißes Eisen“ - über Schwermetalle & Co.
Wie hoch sind die Wasserkonzentrationen von Blei, Cadmium und Quecksilber in der Ostsee oder im Atlantik und gibt es Grenzwertüberschreitungen im Rostocker Trinkwasser? Warum ist Eisen ein klimarelevanter Mikronährstoff? Was sind essentielle und nicht essentielle Metalle und welche Methoden werden angewendet, um Konzentrationen zu messen, die vergleichbar sind, zu dem „Stück Würfelzucker aufgelöst im Bodensee“? Steffen Mallwitz, Enrique Fernandez Otero, Ursula Hennings, Dr. Ralf Prien und Dr. Christa Pohl beantworten diese Fragen anhand von Postern und praktischen Beispielen im Labor.
"Vom Chaos zur Ordnung" - Einsatz chromatographischer Methoden zur Analytik organischer Schadstoffe
Immer wieder hört man von Schadstoffen in der Ostsee. Welche kennen wir schon und wie kann man sie aus dem Chaos unzähliger Verbindungen isolieren und im Spurenbereich messen? Anhand von Posterdarstellungen werden im IOW angewandte Methoden und einige Ergebnisse vorgestellt.
Dr. Rolf Schneider, Dirk Wodarg und Prof. Dr. Detlef Schulz-Bull demonstrieren, wie mit chromatographischen Methoden komplexe Gemische in ihre Einzelteile aufgesplittet werden. Dass dies auch mit Fruchtsaft funktioniert, können die Gäste selbst ausprobieren.
|