| Der Markgraf im goldenen Sarg |
"Die Turniergäste zogen in großen Scharen in die Rostocker Heide, um das Festgelage mit Wildbret zu versorgen. Lange Jagdnetze wurden an den Bäumen befestigt. Sie liefen eng zusammen und endeten wie ein Sack. Dann trieben Bauernburschen mit Holzklappern und lautem Geschrei das verängstigte Wild in diese Falle."
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Über die Entstehung des Heidedorfes
Markgrafenheide rankt sich folgende Sage: In früheren Jahrhunderten,
als die Dänen den Rostockern noch die Warnowmündung
streitig machten, verbündeten sie sich mit den beiden brandenburgischen
Markgrafen und weilten hier in der Gegend. Einer der Markgrafen
verschied plötzlich auf der Jagd und wünschte sterbend,
in der Heide begraben zu werden. Man erfüllte seinen Willen.
Seiner treuen Gemahlin aber wollte über diesen Verlust
das Herz brechen. Sie ließ zu Ehren des Verstorbenen
weit von Arabien her einen prächtigen Sarg, aus purem
Golde gefertigt und über und über mit kostbaren
Edelsteinen besetzt, kommen. Nachdem man den Leichnam in
den kostbaren Sarg gelegt hatte und der tote Markgraf seine
letzte Fahrt antreten sollte, verband die Witwe allen am
Leichenzuge Beteilgten die Augen. Seither heißt der
Ort seiner geheimen letzten Ruhestätte die Markgrafenheide.
Von den vielen hilflos im Gehege gefangenen Tieren erlegten dann
die Turniergäste die Hirsche und Rehböcke mit dem Jagdspieß.
Der Rest der Tiere wurde von den Bauern mit Knüppeln totgeschlagen.
Andere Jäger durchstreiften mit der Armbrust die Wälder
der Heide. Beneidetes Jagdglück hatte der junge Markgraf
Waldemar von Brandenburg, er kehrte gar mit einem erlegten Bären
zurück. 950 Ritter standen auf der Liste des Hofmarschalls.
Weitere 500 Turniergäste erhielten wärend des Hoflagers
den Ritterschlag und machten das Ereignis zu einem der größten
Ritterturniere in der norddeutschen Geschichte überhaupt.
Kurze Zeit später züchtigte der König die
unbotmäßigen Rostocker. Mit den kriegsgewohnten
Brandenburgern belagerte man die Stadt vereint. Die Brandenburger
zogen, etwa von dort wo heute Graal-Müritz liegt her
an der Ostseeküste entlang. Sie machten da Halt, wo
der heute nicht mehr existierende östliche Ausfluß
der Warnow in die Ostsee mündete.
Interessant sind aber auch die historischen Hintergründe
dieser Sage: Im Jahre 1311 forderte der König Erik von Dänemark,
der einige Zeit zuvor Lehnsherr der Herrschaft Rostock geworden
war, die Hansestadt Rostock auf, einen Hoftag in Verbindung mit
einem großen Ritterturnier auszurichten.
Trotzig wurde dieses Verlangen des Königs seitens der Hansestadt
abgewiesen und er mußte sein Lager jenseits der Warnow aufschlagen.
Jenes flache Rinnsal, das sich dicht vor dem Meer zum Radelsee
erweitert. Hier fanden sie, von Bruch und Moor umgeben eine große
Sandinsel, die sich leicht zu einem befestigten Lager ausbauen
ließ. Dieser Lagerplatz des Markgrafen wurde bald die Markgrafenheide
genannt. Mehrere Jahre vergingen bis zum Tode des Dänenkönigs,
mit dem auch die Händel ein Ende fanden und die alte Hansestadt
ihre Selbständigkeit bewahrt hatte.
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