Mittwoch, 23. Juli 2008      
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Warnemünde zwischen gestern und heute

Wer hätte jemals geglaubt, dass sich das heutige Seebad Warnemünde mittels hochmoderner Kommunikationsmöglichkeiten bis hin nach Amerika, Japan oder Australien präsentieren kann. War schon 1889 die Herausgabe einer eigenen Warnemünder Zeitung sensationell, so macht das Internet noch viel umfangreichere Informationen möglich.
Wir wollen aber im elektronischen "Warnemünder" auch einen Schritt zurück in die Vergangenheit gehen, die ja, für die nach Zehntausenden zählenden Besucher, auch nicht ganz uninteressant ist. Immerhin befinden sich Warnemündes Hotels, Pensionen, Restaurants und Bars, der Strand und die Schiffs- und Bootsliegeplätze auf einem Territorium, dass vor etwas über Tausend Jahren unter der Wasseroberfläche der Ostsee lag. Eine Warnowmündung in dieser Form gab es hier noch gar nicht. Diese befand sich noch dort, wo heute der Überseehafen mit seinen Fährschiffterminals liegt.


Die Steilküste westlich der Warnowmündung und die stetigen Westwinde sind schuld an der Existenz Warnemündes.


Der jetzige Breitling war vor knapp über 1000 Jahren noch eine offene Meeresbucht! Erst allmählich, zum Ende der ersten Jahrtausendwende bildete sich eine Nehrung vor dieser Bucht, die von der Ostsee her mit dem Sand der Steilküste westlich von Warnemünde gespeist wurde und sich im Süden von der langsam fließenden Warnow mit pflanzlichen Sinkstoffen langsam verbreiterte. Ein Delta entstand, und wenn man den bisherigen Forschungen Glauben schenken darf,(es kommen immer neue Erkenntnisse hinzu) gab es vier bedeutende Warnowmündungen. Ob die Vermutungen stimmen, dass die ersten Siedler sich an der östlichsten Mündung in Markgrafenheide niederließen ist nicht bewiesen, nur Fragmente einer Mole gibt es in der See.


Warnow hieß bei der ersten Besiedlung Gudacra Fluss

Auch wer die ersten Siedler waren, ist nicht mehr zu ergründen. Es gibt zwar keine Nachweise, gewiss werden aber Slawen die in Rostock siedelten, die Warnowmündung mit ihren Fischreichtum nicht übersehen haben und sich auch niedergelassen haben. Sie nannten die heutige Warnow Gudacra Fluss. Sie bekriegten sich sehr heftig mit den Dänen, die hier Fuß fassen wollten. Die Dänen drangen 1160 in die Warnow ein und zerstörten die Dörfer. Ein Schiff der Dänen brach auseinander und sank. Ob die 1860 im Moor südlichwestlich von Warnemünde gefundenen Reste eines Schiffes zu dieser Flotte gehörte, konnte nicht nachgewiesen werden. Heute ist dieses Gebiet, dass damals noch Breitling war, völlig verlandet und bebaut.


Dem Häuserstil nach können nur Friesen und Niedersachen die ersten Siedler gewesen sein.

Nach dem Stil der Häuser am alten Warnemünder Strom werden es nach den Slawen Friesen und Niedersachen gewesen sein, die sich etwa ab 1100 hier fest ansiedelten. Die Anlage und auch die Art der Häuser südlich der Bahnhofsbrücke hat sich bis heute erhalten.
Um ihre kaufmännischen Interessen zu sichern, kaufte die Stadt Rostock 1323 das Fischerdorf Warnemünde. Schon 1252 hatte sie für einen Spottpreis die Rostocker Heide bis zum Ostufer der Warnow, dort wo heute der Bahnhof steht, die alten Warnowmündungen, die Privilegien des Fischereirechts und völlige Zollfreiheit, gesichert.


Warnemünde zwischen gestern und heute

Die Vogtei in Warnemünde zentraler Mittelpunkt
Nun begann für die Warnemünder in den nächsten 700 Jahren eine unruhige Zeit. Die Dänen, die Schweden, ja selbst die Franzosen wollten sich die Warnowmündung sichern, um den reichen Rostockern ans Geld zu gehen. Meist mit Gewalt, versteht sich. Darunter hatten Warnemünder besonders zu leiden. Eins erhielten sich die Warnemünder über die Jahrhunderte: Sie blieben ausgezeichnete Seeleute und Fischer. Mit ihren typischen Warnemünder Jollen, ein Begriff bis ins 20.Jahrhundert, segelten sie bis an die Südkante Schweden und fischten Hering, der da so reichhaltig vorkam, dass man ihn zeitweise einfach mit Körben aus dem Wasser schöpfen konnte. Im schwedischen Skanör gab es Warnemünder Fischerlager.
Daran wollte natürlich auch die neuen Besitzer Warnemündes, die Stadt Rostock teilhaben.


Die Warnemünder Vogtei

Die Vogtei in Warnemünde sucht im norddeutschen Raum ihres Gleichen. Sie ist ein Unikat von unschätzbaren historischen Wert. Bereits bevor Rostock das Fleckchen Warnemünde am 11. März 1323 kaufte, residierte hier ein Vogt des Landesherren Fürst Heinrich der Löwe. Er hieß Ludberg Starkader und wohnte in Diedrichshafen, einem kleinen Bauerdorf 4 km westlich von Warnemünde, das heute ein beliebtes Feriendorf ist.


Das einzige Querhaus in Warnemünde

Auch der Rostocker Rat setzte einen Vogt ein, dessen Residenz ebenfalls die Vogtei, das einzige Dwarshaus (Querhaus) in Warnemünde war. Alle anderen Häuser standen mit ihrem Giebel zur Warnow hin.
Die Vogtei von Warnemünde sorgte in den letzen beiden Jahren während ihrer kompletten Rekonstruktion für historisches Aufsehen. Machte die Hausinschrift Anno 1605 zumindest in den letzten 300 Jahren glaubhaft, dass die Vogtei 1605 entstand, so entpuppte sich dies als Irrtum. Zwar wussten die Chronisten schon lange, dass dies hier nicht die einzige Vogtey war, die hier stand. Der kürzliche Umbau enträtselte zahlreiche Fragen stellte aber gleichzeitig neue. Denkmalpfleger sprechen heute davon, dass die Geschichte Warnemündes zumindest zu ergänzen ist. Die Grundfesten dieses Hauses gehen bereits auf Jahr 1250 zurück. Ob sie da bereits Vogtey hieß, ist zweifelhaft, denn man sprach lange Zeit nur von einem Haus, Vogteygehöft, Weddeherrenhaus, Herrenhaus und einem Palast. Die gewaltigen Granitsteine, die man bei der Rekonstruktion freilegte, kamen wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert auf Schiffen nach Warnemünde. Restauratoren fanden in der Vogtei Farbschichten, die über 300 Jahre alt sind.


Vorne zweigeschossig, hinten nur eingeschossig

Eine neue Vogtei wurde 1472, wie man aus alten Rechnungen weis, gebaut. Diese Herrenhaus, oder wie man es bezeichnen will, ist schließlich das Haus welches im Jahre 1605 zur neuen Vogtei umgebaut oder neu aufgebaut wurde. Weitgehend wurden Fundamente und Gewölbe und Fragmente des alten Gebäudes genutzt und vor allen Dingen die auch mächtigen Granitsteine. Sie sind heute nach Restaurierung sichtbar gemacht worden. Das Haus war nach vorne zweigeschossig, nach hinten jedoch einstöckig. Der Sinn dessen mag nicht gleich sichtbar sein. Mögliche Ursache sind wahrscheinlich die schweren Weststürme, die ungebremst gegen den Ort pressten und den zweistöckigen Bau vielleicht in Bedrängnis gebracht hätten. daher zog man damals das westliche Dach weit nach unten und verzichtete auf ein Obergeschoss. Dadurch entstand ein unsymmetrischer Giebel.

G.M.
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